Wenn die Kinder aus dem Kindergarten Wirbelwind donnerstags ins benachbarte Theresien-Stift kommen, dann ist Fritz Niersmann nicht mehr zu halten. Mit 88 Jahren und zwei operierten Knien singt und tanzt er mit den Kindern, dass es schon gute Laune macht, nur dabei zuzusehen. Aber auch die anderen 19 Bewohner im Gruppenraum des Seniorenhauses singen und schunkeln eine Stunde lang mit und haben dabei mindestens genauso viel Spaß wie die Kinder.
„Musik für unter 7 und über 70“ heißt das Projekt, in dem die Musikpädagogin und -therapeutin Silke Beyermann nun Kinder und Senioren zusammen bringt. Einmal pro Woche holt sie die Maxikinder aus dem Kindergarten Wirbelwind und besucht mit ihnen die Senioren, die schon ganz ungeduldig auf die Kleinen warten. Dann wird die Musik zur Brücke zwischen den Generationen und Silke Beyermann zur Brückenbauerin. Diesmal ist Holland das Thema der Musikstunde. Sie zeigt den Kindern einen Strauß Tulpen, erklärt ihnen etwas dazu und stimmt mit den Senioren das Lied „Tulpen aus Amsterdam“ an. „Es braucht eine kurze Zeit, bis die erste Hemmschwelle überwunden ist“, sagt Silke Beyermann. Deshalb führt sie Generationen schrittweise zusammen. Erst winken sich Kinder und Senioren zu, dann halten die Kleinen und Großen je einen Zipfel eines Seidentuchs, schließlich reichen sie sich auch die Hände. „Nach zwei bis drei Wochen ist das Eis gebrochen und mittlerweile finden sich immer häufiger die gleichen Kinder und Senioren zusammen“, erzählt Beyermann.
Dabei kann es dann auch schon mal etwas lauter werden. Während die Kinder in Holzklumpen zu Kasatschok-Musik tanzen, klopfen die Senioren von ihren Stühlen aus mit Besenstielen im Takt dazu. „Selbst Bewohner, die sonst ganz still und ruhig sind, spüren auf einmal neue Energie, die sie dann einfach rauslassen“, schwärmt Dagmar Weyermanns vom sozialen Dienst im Theresien-Stift. „Selbst die Kollegen von der Nachtwache merken abends noch, dass es den Bewohnern besser geht, und fragen sich, ob die Kinder wieder da waren.“ Auch den Kindern selbst macht das Projekt einen Riesenspaß. Das Lied vom Erdbeer-Elefant haben die Maxi-Kinder aus dem Zauberklang-Projekt sogar schon den anderen Kindern im Wirbelwind beigebracht. „Die Kinder kommen nach jeder Stunde begeistert zurück in den Kindergarten. Wir greifen dann im Gruppenalltag die Lieder auf. Den Erdbeer-Elefant haben die Kinder zum Beispiel auch auf dem Xylophon begleitet“, erzählen Marion Cebulla und Petra Derks aus dem Kindergarten Wirbelwind.
„Für die Kinder ist das ganze Projekt eine musikalische Früherziehung, für die Senioren Musiktherapie, und für beide Seiten die Gelegenheit, ganz neue Erfahrungen mit Menschen einer anderen Generation zu machen“, sagt Silke Beyermann. Die 38-Jährige ist gelernte Erzieherin, hat zwischenzeitlich im sozialen Dienst des Theresien-Stiftes gearbeitet und ist seit wenigen Wochen ausgebildete Musiktherapeutin. „Schon bei meiner Arbeit mit den Senioren habe ich immer gemerkt, dass die Bewohner geradezu aufblühen, wenn Kinder dabei sind. Deshalb habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, beide Altersgruppen zu verbinden – so ist das Projekt Zauberklang entstanden“, sagt Silke Beyermann.
Gefördert wird das Ganze von der Gelsenwasser AG als Bildungsprojekt unter dem Titel „von klein auf“ und läuft noch bis Mitte April. Bis dahin wird Silke Beyermann mit ihrem Projekt noch viele Brücken bauen zwischen den Generationen, und nicht nur Fritz Niersmann wird seine Späße mit den Kindern machen – auch alle anderen werden von den wertvollen Erfahrungen aus diesem Projekt noch länger profitieren. Vielleicht auch einmal andere Kindergärten, Schulen oder Senioreneinrichtungen.