Daniel Krohn von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbands Geldern-KevelaerCaritasverband Geldern-Kevelaer
GELDERLAND Als eine Altenpflegehelferin plötzlich kein Geld mehr von ihrem Konto abheben konnte, war sie am Tiefpunkt angekommen. Nach einer Trennung kämpfte sie mit Schulden aus der Ehe, laufenden Kosten und fehlenden Unterhaltszahlungen für ihre Tochter. Eine notwendige Autoreparatur und eine hohe Nebenkostenabrechnung brachten das Fass schließlich zum Überlaufen. Die Kontopfändung traf sie hart. Erst bei ihrer Bank erfuhr sie, dass sie ihr Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto - kurz P-Konto - umwandeln kann. Dadurch blieb ihr wenigstens ein gesetzlich geschützter Betrag zum Leben.
Das Pfändungsschutz-Konto steht daher nicht ohne Grund im Mittelpunkt der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung 2026. "Das P-Konto soll Menschen schützen, deren Konto gepfändet wurde. So kann durch die Schuldnerberatungsstelle auch ein erhöhter Pfändungsfreibetrag bescheinigt werden, wenn beispielsweise unterhaltsberechtigte Kinder versorgt oder Sozialleitungen bezogen werden. Viele Betroffene wissen aber nicht, welche Möglichkeiten und Ansprüche sie haben. Dadurch geraten sie zusätzlich unter Druck", erklärt Daniel Krohn, Fachleitung der Schuldner- und Insolvenzberatung beim Caritasverband Geldern-Kevelaer.
Die betroffene Frau fühlte sich zunehmend von Mahnungen und Gläubigerschreiben überfordert. Aus Angst öffnete sie ihre Post kaum noch und zog sich immer weiter zurück. Erst durch den Hinweis eines Gerichtsvollziehers suchte sie Hilfe bei der Caritas. Dort wurde gemeinsam ein Haushaltsplan erstellt, um die wichtigsten Ausgaben wie Miete, Lebensunterhalt und Mobilität zu sichern. Außerdem half die Schuldnerberatung dabei, den Überblick über die Forderungen zurückzugewinnen und notwendige Schritte einzuleiten. "Schritt für Schritt stabilisierte sich die Situation und die Klientin gewann wieder Kontrolle über ihr Leben zurück", beschreibt Krohn die Entwicklung.
"Viele Menschen kommen erst zu uns, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen. Dabei erleben wir immer wieder, wie entlastend es sein kann, die Probleme gemeinsam anzugehen und konkrete Lösungen zu entwickeln", sagt Krohn.
Wie groß der Bedarf ist, zeigen die Zahlen aus dem Jahr 2025: Insgesamt unterstützte die Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas 959 Menschen im Südkreis Kleve. 348 Ratsuchende wurden über einen längeren Zeitraum intensiv begleitet, weitere 439 Personen nutzten eine Kurzberatung. Hinzu kamen 94 Beratungen im Bereich der Verbraucherinsolvenz. Für 216 Menschen stellte die Caritas eine Bescheinigung für ihr P-Konto aus. Insgesamt fanden mehr als 4.600 Kontakte und Beratungsgespräche statt.
Krohn: "Die Erfahrung der Beratungsstelle zeigt, dass hinter Schulden oft mehr steckt als fehlendes Geld. Trennungen, Erkrankungen, Arbeitslosigkeit oder andere Lebenskrisen können Menschen schnell in eine finanzielle Notlage bringen." Die Folgen reichen häufig von Schlafstörungen und Existenzängsten bis hin zu sozialem Rückzug.
"Schulden betreffen nie nur den Kontostand. Sie belasten die gesamte Lebenssituation eines Menschen. Deshalb unterstützen wir nicht nur bei finanziellen Fragen, sondern helfen dabei, wieder Perspektiven und Handlungssicherheit zu gewinnen", betont Krohn.
Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbands Geldern-Kevelaer steht Menschen aus dem gesamten Südkreis Kleve offen. Die Beratung erfolgt vertraulich und unabhängig. Mehr Informationen unter www.caritas-geldern.de/schuldnerberatung.