Delegiertenversammlung des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer: Stephan von Salm-Hoogstraeten (Vorstandsmitglied), Hans-Peter Böhmer, Klaus Tissen (Vorsitzender des Caritasrates), Iris Itgenshorst und Gabriele Brimmers (von links)Caritasverband Geldern-Kevelaer
GELDERLAND Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchengemeinden und Trägereinrichtungen kamen jetzt zur jährlichen Delegiertenversammlung des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer zusammen. Neben den formalen Berichten aus Vorstand und Caritasrat stand in diesem Jahr das Motto des Deutschen Caritasverbandes im Mittelpunkt: "Caritas öffnet Türen - da kann ja jeder kommen."
Vorstandsmitglied Stephan von Salm-Hoogstraeten betonte in seiner Ansprache die Bedeutung dieses Leitgedankens: "Als Caritas verstehen wir uns als Türöffner - für alle Menschen, unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Religion." Gleichzeitig mahnte er eine verlässliche Finanzierung sozialer Arbeit an. Die öffentlichen Haushalte stünden zunehmend unter Druck, während die Kosten in den sozialen Diensten weiter stiegen. Kritisch bewertete er auch die Entwicklung der dem Verband zugewiesenen Kirchensteuermittel, die in den vergangenen Jahren deutlich hinter den Tarifsteigerungen zurückgeblieben seien. Diese Gelder seien für die Finanzierung vieler kostenloser Beratungsangebote unverzichtbar. "Wenn die Unterstützung weiter sinkt, wird das Folgen für unsere Angebote haben", so von Salm-Hoogstraeten.
Trotz dieser Herausforderungen blickt der Verband zuversichtlich in die Zukunft. Mehrere Projekte, die im Rahmen der Versammlung vorgestellt wurden, zeigen die strategische Ausrichtung des Caritasverbandes auf wachsende Bedarfe in der Region. So entsteht ab Februar 2026 in Geldern eine neue Einrichtung für Trainings- und Verselbstständigungswohnen, in der junge Menschen mit pädagogischer Unterstützung der Caritas den Übergang in ein eigenständiges Leben gestalten können. Zum Sommer 2027 soll außerdem am katholischen Krankenhaus Geldern eine neue inklusive Kindertagesstätte eröffnet werden. Mit Öffnungszeiten von 6 bis 19 Uhr sowie Samstagsbetreuung bietet sie insbesondere Familien in Gesundheitsberufen eine verlässliche Entlastung. Auch im Bereich der Integrationshilfe wächst das Angebot weiter: Derzeit betreuen Mitarbeitende der Caritas rund 45 Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen im Kita- und Schulalltag. Diese individuelle Begleitung ermöglicht echte Teilhabe und ist ein zentraler Beitrag zur Inklusion.
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts war die stationäre Pflege. In den kommenden Jahren wird der Caritasverband 176 zusätzliche Pflegeplätze in Rheurdt, Kevelaer-Winnekendonk und Issum schaffen. "Wir haben den Auftrag, älteren Menschen ein verlässliches Zuhause in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen”, betonte von Salm-Hoogstraeten. "Mit den geplanten Einrichtungen sichern wir die Versorgung im Südkreis Kleve frühzeitig und nachhaltig." Dabei sollen die neuen Häuser mit offenen Cafés und gemeinschaftlichen Räumen bewusst auch Orte der Begegnung sein.
Im Finanzbericht stellte von Salm-Hoogstraeten die wirtschaftliche Situation des Verbandes dar. Das Ergebnis des Vorjahres konnte deutlich übertroffen werden - insbesondere durch verbesserte Ergebnisse in der stationären Pflege. Caritasratsvorsitzender Klaus Tissen zeigte sich in seinem Tätigkeitsbericht sehr zufrieden mit der inhaltlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Verbandes. Gleichzeitig appellierte er an die Anwesenden, der weitverbreiteten Fehlannahme, dass die Verdienstmöglichkeiten in Pflegeberufen schlecht seien, entschieden entgegenzutreten, um die Attraktivität dieses Arbeitsfeldes wieder zu stärken.
In einem kurzen Vortrag gab Vorstandsreferentin Jana Holtermann einen Überblick über die Entwicklung der Unterbringungskosten in den Seniorenhäusern. Sowohl der Eigenanteil der Bewohner für Pflegekosten als auch für Unterkunft und Verpflegung ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Da sich dieser Trend vermutlich fortsetzen wird und gleichzeitig kein Einsparpotenzial besteht, muss sich die Gesellschaft fragen, ob Pflegebedürftigkeit als Aufgabe der Solidargemeinschaft verstanden wird - oder ob sie als persönliches Lebensrisiko gilt, das jeder selbst zu tragen hat.
Neu in den Caritasrat gewählt wurde Gabriele Brimmers aus Kerken. Verabschiedet wurden Iris Itgenshorst und Hans-Peter Böhmer. Ihnen galt der besondere Dank von Vorstand und Caritasrat für ihre geleistete Arbeit und ihr hohes Engagement in diesem Gremium.
Die aktuellen Entwicklungen in der Arbeit des Caritasverbandes sind auch im gedruckten Jahresbericht nachzulesen. Dieser liegt in Kürze in allen Einrichtungen des Caritasverbandes aus. Ebenso ist dieser - wie auch der Transparenzbericht - online abrufbar.